Malend, zeichnend, radierend - und in all seinen anderen bildnerischen Arbeiten wie Assemblagen oder Collagen -  folgt Robert Siebenhaar einem inneren Programm.

 

Das bislang entstandene OEvre besticht gerade wegen seinem stofflichen und thematischen Reichtum. Innere, zwingende Bildwelten verbinden sich mit einer äußeren Struktur, dabei kommt es weniger auf eine Binnenordnung der einzelnen Arbeit an, entscheidend ist vielmehr die Platzierung innerhalb der Schaffensjahre.

 

Selbst vielschichtig komplexe Werke - erscheinen ihren mehrfachen Überarbeitungen zum Trotz - oft flüchtig oder unfertig wie Blätter eines Tagebuchs.

 

Die Leinwandbilder, und erst recht die  kleineren grafischen Arbeiten, wirken wie Szenen eines Panoramas. Sie handeln von Erlebtem, Erträumten, Glückhaftem, Erfolgen, Skepsis, Wünschen oder gar von Niederlagen und Enttäuschungen. Das Extreme, das Rohe, das Unfertige, das Offene, ebenso das zärtlich Tändelnde wie das fein Ironische gehören zwingend zu Siebenhaars Verständnis von einem Werk. Dabei geht es ihm nicht um einen „Mercedesstern“, einer Art wieder erkennbaren Manierismus-Stempel, einem althergebrachten Werkbegriff, sondern um Wandlung: die der fließend verstreichenden Zeit immanenten und die seiner eigenen Person gegebenen; daraus ergibt sich insgesamt eine kraftvollere und stets frischere Aussage.

 

Für den Betrachter nicht unbedingt ein versöhnliches, wiedererkennbares Muster -  da Siebenhaar sich einem weitaus zeitgemäßerem, passenderen Programm verpflichtet fühlt: bildnerische Arbeit ist für ihn ein ästhetisches Ringen.

 

So unternimmt er den Versuch die Flut der Innenbilder, die Erinnerungen und Assoziationen – und gleichzeitig die erspürten kollektiven Widersprüche – in den Griff zu bekommen.

 

Stets spiegeln seine Arbeiten die Spannung zwischen rationalem, strukturiertem Denken und dem „traumverhaftetem“, eher unbewussten Fließen  von Assoziationen und imaginierten Bildern augenfällig wieder. Zwangsläufig gelangt er wegen des Sammelns von begrifflichen Situationen und Augenblicken zum „Erzählen“, zu unseren tiefsten Wurzeln in der ältesten Zeit. Das tut er sowohl in bildhaften als auch in chiffrenartigen Kürzeln ein Versuch, eine Auseinandersetzung, die „Kontrolle“ zu behalten.

 

Nicht zuletzt deshalb wirken Siebenhaars Arbeiten bisweilen skizzenhaft, überbordend, bisweilen beinahe hektisch mäandernd, unübersichtlich, mitunter wie Entwürfe zu größeren Projekten. Knappe Zitate, eine verdichtete Szenerie  kennzeichnen die Kulisse, liefern Verweise auf Räume in dem  sein „Personal“ agiert. Mensch und Tier scheinen verletzlich zart, grob, fremd, heiter, traurig, vertraut, archaisch tief. Seine Geschichten bleiben bei dargebotenem Habitus, Gestik oder Kleidung eng am Erzählten.

 

Der Duktus wechselt von grob bis fein, ist tastend, zögerlich, sparsam. Die Farben spiegeln im glücklichsten Fall den Geruch der Dinge, ihr Eigenleben -  eine genaue zwingende Komposition liegt bei seinen Arbeiten stets tragend unter allem.Die stetig wiederkehrende Sonne und der sich wiederholende Mond fallen ins Auge, durchziehen unübersehbar seine Bilder. Erklären kann dies der Maler nicht. Winzig klein, flüchtig und begrenzt ist der gesamte Prozess.

 

So manche Bilder bleiben lebendig, anderes schwächt sich ab, vergeht. Bildnerisch arbeiten ist kein dauerhafter Sieg, aber doch eine Art Sieg über die Vergänglichkeit. Nicht zuletzt deshalb entsteht bei Robert Siebenhaar ein fließender Prozess an Bildern.

 

 

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