Kleine Rede

gehalten von
Marianne Meyer

Lieber Robert,

 

zunächst möchte ich mich für das Vertrauen bedanken, das du mir mit der Frage zeigst, heute ein paar Worte zu deinen Bildern zu sagen.

 

Es dürfte ca. ein viertel Jahrhundert her sein, als wir, Gerd und ich, das erste Bild von dir erstanden haben. In diesen vergangenen 25 Jahren hat sich der „Stil" deiner Bilder und Assemblagen sicher immer wieder verändert. Auf Früheres zurückgreifend und/oder völlig Neues einarbeitend, die Aussagekraft und dein Wunsch etwas mitzuteilen, zu erzählen ist immer gleich geblieben.

 

In vielen deiner Bilder kann man mit den Augen spazieren gehen, sie erzählen dem Betrachter von einer Welt, wie sie im Künstler existieren könnte. Wenn man bereit ist, sich auf deine Sprache einzulassen, wäre ein vages Verstehen sogar möglich, aber das ist nicht das Wesentliche.

 

Vielmehr sollte der Betrachter seiner eigenen Fantasie Raum geben, und z.B. bei einem blauen Mond oder einem heulendem Hund seine eigene Geschichte erfinden und sie mit dem eigenen Erfahrungsschatz ausschmücken.

 

Es sind nicht nur angenehme Geschichten, die da entstehen können, man entdeckt womöglich zum Beispiel Angst oder ähnlich Unangenehmes, aber auch Schalk, Leichtigkeit, Fröhlichkeit. . . .

 

Von den ausgestellten Bildern möchte ich nur auf das von der Einladung eingehen.

 

Wer von ihnen die Familie Siebenhaar und ihr Haus kennt, weiß, dass neben dem Bild und der Skulptur das nächst wichtige Element das Buch ist. Das Bild auf der Einladung ist ein Buch, ich verstehe es jedenfalls so ... ein Roman? Eine Lebens- oder eine Erlebensgeschichte? Oder die Minuten eines Sonnenuntergangs und dem Gedankenfluss währenddessen?

 

Es ist völlig nebensächlich, den Anlass oder den Hintergrund dieses Bildes zu kennen, für mich ist es eine wunderbare Erzählung.

 

Lassen Sie sich als Betrachter an der Hand nehmen um die kleinen und größeren Punkte betrachten, die sich verdichteten, manchmal verschmelzen und im einzelnen fast nicht mehr erkennbar sind. Sie laufen quer, haben unterschiedliche Abstände zueinander, wechseln die Farbe.

 

Diese Erzählelemente sind eingebettet in eine bewegte Fläche, sie stehen nicht alleine im leeren Raum, der Hintergrund - das Hintergrundwissen schwingt immer mit. Es ist schwer sich nur auf einen Ausschnitt zu konzentrieren, man wird gezwungen immer wieder Neues zu erkunden.....das Bild mit einem Blick zu erfassen ist nicht möglich.

 

Ein Buch oder einen Zeitungsartikel muss man lesen, um den Inhalt zu erfahren. Die Überschrift, die Inhaltsangabe oder nur ein paar Seiten zu überfliegen genügt nicht. Ein oberflächliches Vorbeischauen kann uns auch bei diesen Bildern das Wesentliche nicht erschließen.

 

Gemalte Prosa, so möchte ich die Bilder von Robert Siebenhaar bezeichnen.

 

 

Einführung Robert Siebenhaar, 6. Juli 2011, Notariat Dr. Franz und Eberl

 

 

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